Zur Entziehung einer EU-Fahrerlaubnis bei Alkoholgewöhnung

September 25, 2006 on 3:43 | In Verkehrsrecht, Verwaltungsrecht (BT) | 2 Comments

Die nach der Entziehung einer deutschen Fahrerlaubnis in Tschechien erworbene Fahrerlaubnis ist zu entziehen, wenn der Betroffene ein berechtigterweise angefordertes Gut­achten über seine Fahreignung nicht vorgelegt hat. Dies entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz in Koblenz.

Nach Ablauf der vom Amtsgericht wegen drei Trunkenheitsfahrten im Jahre 2002 verhängten Sperrfrist erwarb der Antragsteller in Tschechien eine Fahrerlaubnis. Bei einer Verkehrs­kontrolle im Mai 2005 fiel der Antragsteller mit einer Blutalkoholkonzentration von 2,45%o auf dem Fahrersitz seines auf einem Gehweg abgestellten Fahrzeuges auf. Dass er das Fahrzeug auch gefahren hatte, konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Da er das daraufhin vom ihm geforderte medizinisch-psychologische Gutachten zur Klärung seiner Fahreignung nicht vorgelegt hatte, entzog die Straßenverkehrsbehörde ihm unter Anordnung der sofortigen Vollziehung die Fahrerlaubnis. Den hiergegen begehrten vorläufigen Rechtsschutz lehnte bereits das Verwaltungsgericht ab. Das OVG bestätigte nun diese Entscheidung mit Beschluss vom 11.09.2006 (Az.: 10 B 10734/06.OVG).

EU-Führerschein­tourismus hilft nicht bei Entzug der Fahrerlaubnis

September 15, 2006 on 9:37 | In Verkehrsrecht | Comments Off

Der 16. Senat des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Nordrhein-Westfalen hat mit Beschluss vom 13.09.2006 (Az.: 16 B 989/06) die Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes abgelehnt, den ein Mann aus Münster (Antragsteller) gegen das vom Oberbürgermeister der Stadt Münster (Antragsgegner) verfügte Verbot, von einer tschechischen Fahrerlaubnis Gebrauch zu machen, beantragt hatte.

Akteneinsicht und Einforderung einer Vollmacht

September 14, 2006 on 2:17 | In Verkehrsrecht | Comments Off

Post vom Landsratsamt W.: Mir ist Akteneinsicht in einer Bußgeldsache gewährt worden. Man hat mir zwar keinen Aktenauszug überlassen, aber immerhin einen Freiumschlag beigefügt. Das ist ja auch nicht selbstverständlich und ich habe es positiv aufgenommen.

Meine Bevollmächtigung hatte ich allerdings nur anwaltlich versichert. Nun schreibt mir das Landratsamt, dass ich bei Rücksendung der Akte bitte eine Vollmacht beilegen solle. Gemäß § 67 Rand-Nr.2 Ordnungswidrigkeitengesetz (Beckscher Kurz-Kommentar) müsse der Verteidiger bei Einlegung des Einspruchs bereits bevollmächtig sein. Na klar, war ich bei Einlegung des Einspruch bevollmächtigt und eine Vollmacht habe ich mir natürlich auch unterschreiben lassen, aber vielleicht halte ich es da wie die Kollegen Hoenig und Melchior

Zum Ausschluss des Kaskoversicherungsschutzes für bestimmte außereuropäische Regionen

Juli 31, 2006 on 12:12 | In Verkehrsrecht, Versicherungsrecht | Comments Off

Nicht nur der langersehnte Traumurlaub in Anatolien barg für die spätere Klägerin und ihre Familie eine böse Überraschung. Ihr zuverlässiger Mercedes Benz war bei einem Verkehrsunfall erheblich lädiert worden. Mühevoll wieder in Deutschland angekommen, erlebte die Autoinhaberin die nächste Enttäuschung: Die Kaskoversicherung weigerte sich, den Schaden zu ersetzen. Der Unfall habe sich nämlich im asiatischen Gebiet der Türkei ereignet. Hierfür bestehe aber nach den Versicherungsbedingungen kein Kaskoschutz, so die Assekuranz. Das wollte die Mercedesfahrerin nicht auf sich sitzen lassen. Ein derartiger regionaler Ausschluss des Versicherungsschutzes sei unwirksam. Außerdem sei sie darauf nicht hingewiesen worden, obwohl die Mitarbeiter der Versicherung von ihrer Türkeireise gewusst hätten.

Zum Versicherungsschutz mit der “Doppelkarte”

Juli 24, 2006 on 11:06 | In Verkehrsrecht, Versicherungsrecht | Comments Off

Vermag ein Versicherungsnehmer zu beweisen, dass er bei der telefonischen Bitte um Überlassung einer Versicherungsbestätigung nach § 29 a StVZO (früher auch Deckungs- oder Doppelkarte genannt) die Absicht geäußert hat eine Vollkaskoversicherung zu beantragen, und erhält er daraufhin die Deckungskarte ohne ausdrückliche und hervorgehobene Beschränkung auf den Haftpflichtschutz, so genießt er vorläufige Deckung in der Fahrzeugvollversicherung.

Ist dabei die Frage der Höhe der Selbstbeteiligung offen geblieben, so ist diese Lücke nach § 315 BGB zu schließen.

Oberlandesgericht (OLG) Saarbrücken, Urteil vom 20.04.2006 (Az.: 5 U 575/05-87)

Zur Haftung eines Landwirts bei einem Unfall mit einer entlaufenden Kuh

Juli 13, 2006 on 9:11 | In Haftungsrecht, Verkehrsrecht | Comments Off

Ein Tierhalter haftet anteilig für einen Fahrzeugschaden, der durch die Kollision des Fahrzeugs mit der dem Tierhalter entlaufenen Milchkuh entstanden ist. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem Beschluss vom 27.09.2005 (Az.: 9 W 45/05) entschieden.

Ohne Schutzhelm – Mitverschulden des radfahrenden Kindes?

Juli 6, 2006 on 7:40 | In Haftungsrecht, Verkehrsrecht | 1 Comment

Wer bei einem nicht selbst verschuldeten Fahrradunfall Kopfverletzungen erleidet, weil er keinen Helm getragen hat, muss sich eine gewisse Mitschuld anrechnen lassen. Das entschied das Landgericht (LG) Krefeld mit Urteil vom 22.12.2005 (Az.: 3 O 179/05).

Zwar seien Fahrradfahrer nicht verpflichtet, einen Schutzhelm zu tragen. Dies bedeute aber nicht, dass ihnen nach einem Unfall ohne Helm kein Mitverschulden angerechnet werden könne. Eine Selbstgefährdung, so die Richter, würde durch die Rechtsordnung zwar nicht verboten, gleichwohl sähe das Gesetz als Ausprägung des Grundsatzes von Treu und Glauben eine Anspruchsminderung des Geschädigten vor, wenn er vorwerfbar die eigenen Interessen außer Acht lasse. Dies gelte gerade bei besonders gefährdeten Radlern wie Kindern .

Missbräuchlicher Führerscheintourismus

Juli 3, 2006 on 11:00 | In Verkehrsrecht | Comments Off

Das Verwaltungsgericht (VG) Münster hat dem so genannten Führerscheintourismus in andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union Grenzen gesetzt: Wer rechtsmissbräuchlich handelt, kann sich nicht auf das Europarecht berufen. Die 10. Kammer des Gerichts bestätigte in einem Eilbeschluss vom 26.06.2006 (Az: 10 L 361/06 – nicht rechtskräftig) vorläufig die Entscheidung des Kreises Steinfurt, einer Autofahrerin die Nutzung einer polnischen Fahrerlaubnis in Deutschland zu untersagen.

Falschangaben zum Fahrer: Pkw-Halter muss Fahrtenbuch führen

Juni 14, 2006 on 8:32 | In Verkehrsrecht | Comments Off

Die Straßenverkehrsbehörde kann nach einem Verkehrsverstoß den Halter des Pkw zur Führung eines Fahrtenbuchs verpflichten, wenn dieser falsche Angaben zur Person des Fahrers macht. Dies geht aus einem Beschluss des Verwaltungsgerichts (VG) Neustadt in einem Eilverfahren, Beschluss vom 15.05.2006 (Az.: 3 L 677/06.NW) hervor.

Im entschiedenen Fall war das Fahrzeug wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung aufgefallen. Bei der Anhörung gab der Halter Namen und Adresse einer Person an, die das Auto gefahren haben sollte. Die Angaben erwiesen sich jedoch als falsch. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass die genannte Person weder am angegebenen Ort noch sonst in Rheinland-Pfalz wohnhaft war.

Fahrerlaubnisentzug: Bei 18 Punkten keine Ausnahme

Juni 12, 2006 on 1:49 | In Verkehrsrecht | Comments Off

Hat ein Fahrerlaubnisinhaber Verkehrsverstöße begangen, die mit 18 Punkten bewertet sind, muss ihm die Fahrerlaubnis entzogen werden, auch wenn seine Verstöße teilweise alsbald im Verkehrszentralregister zu tilgen sind. So die 3. Kammer des Verwaltungsgericht (VG) Mainz in folgendem Fall (Az.: 3 L 455/06.MZ):

Vor allem wegen überhöhter Geschwindigkeit und Nichteinhaltens des erforderlichen Abstands war ein Fahrerlaubnisinhaber aus dem Landkreis Mainz-Bingen in der Vergangenheit aufgefallen. Deshalb waren für den Endfünfziger (Antragsteller) zuletzt 18 Punkte im Verkehrszentralregister eingetragen.

Daraufhin entzog ihm die Kreisverwaltung Mainz-Bingen Ende April 2006 die Fahrerlaubnis, eine Maßnahme, die nach dem Straßenverkehrsgesetz sofort vollziehbar ist.

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