Für arbeitslose schwangere Frauen, für die – z.B. aufgrund einer Risikoschwangerschaft – ein ärztliches Beschäftigungsverbot ausgesprochen wurde, ist die Arbeitsagentur als „Ersatzarbeitgeber“ zuständig und nach dem Mutterschutzgesetz verantwortlich.
Die Schwangere darf nicht auf Krankengeld der Krankenversicherung verwiesen und vom weiteren Bezug von Arbeitslosengeld ausgeschossen werden. Das entschied gestern der 9. Senat des Hessischen Landessozialgerichts (Az.: L 9 AL 35/04).
Im vorliegenden Fall hatte eine heute 32jährige arbeitslose Frau aus Bad Nauheim keine weiteren Leistungen von der Arbeitsagentur erhalten, weil ihr Arzt ein Beschäftigungsverbot nach dem Mutterschutzgesetz ausgesprochen hatte. Die junge Frau hatte damals bereits drei Fehlgeburten hinter sich, daher betrachtete der behandelnde Gynäkologe die Schwangerschaft als risikobehaftet. Die Arbeitsagentur lehnte die Weiterzahlung von Arbeitslosengeld bzw. -hilfe mit dem Argument ab, durch das Beschäftigungsverbot stehe die junge Frau ihren Vermittlungsbemühungen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Da auch die Krankenkasse eine freiwillige Versicherung der Schwangeren aufgrund fehlender Vorversicherungszeiten ablehnte, war sie schließlich auf die Unterstützung durch Sozialhilfe angewiesen.
Die Darmstädter Richter stellten jetzt klar, dass eine Schwangerschaft keine Krankheit sei und daher Beschäftigungsverbote nach dem Mutterschutzgesetz auch nicht gegenüber der Krankenversicherung, sondern gegenüber dem Arbeitgeber ausgesprochen würden. Für Arbeitslose sei die Bundesagentur für Arbeit eine Art Ersatzarbeitgeber, sie habe daher auch die Kosten von Beschäftigungsverboten zu tragen. Gerade bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen jede Art der Beschäftigung als potentielle Gefahr für das werdende Leben eingestuft worden sei, würde das Schutzinstrument des Beschäftigungsverbotes ins Leere laufen, wenn die Schwangere sich weiterhin dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen müsste.
Die Arbeitsagentur wurde daher verurteilt, Arbeitslosengeld bzw. –hilfe für den Zeitraum der Risikoschwangerschaft und des Beschäftigungsverbotes zu zahlen.
Quelle: PM Nr. 30/07 LSG Darmstadt vom 21. August 2007
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Das ist nicht mehr wie Recht.
Nico
Kommentar von Nico — 27.08.2007 #
Meine Frau hat das gleiche Problem und trotz, dass die Arbeitskammer uns dieses Urteil zukommen lies und wir nach etwa 6 Monaten der hin und her Lauferei endlich mal einen Verantwortlichen gesehen hatten, die Agentur für Arbeit, stellte sie erneut Antrag und fügte die Urteile bei mit der Bitte, sich doch an gesprochenes Recht zu halten. Antwort die AfA (nach nur 2 Tagen der Überlegung) “Wir haben das Recht nicht falsch angewandt, daher kein Arbeitslosengeld!!!”
Kommentar von F. Görgen — 3.08.2008 #